13390745.jpg

vlr: Petra Emmerich-Kopatsch, Landtagsvizepräsidentin, Mareike Wulf MdL CDU, Björn Foersterling MDL FDP,
Kultusminister Grant Hendrik Tonne, Prof. Dr. Harald Welzer, Prof. Rolf Wernstedt, Prof. Dr. Dirk Lange
Foto: C.C.Sievers

Am 25.04.2018 fand im Leibnizhaus Hannover die Jubiläumsveranstaltung anlässlich des 50jährigen Bestehens des Landesverbands Niedersachsen der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) statt.

Prof. Dr. Tonio Oeftering, der seit September 2017 Landesvorsitzender Verbands ist, begrüßte die Gäste, bevor der Niedersächsische Kultusministers Grant Hendrik Tonne, die Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtags Petra Emmerich-Kopatsch sowie der DVPD-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Dirk Lange jeweils ein Grußwort hielten.

Im zweiten Teil der Veranstaltung warf zunächst der ehemalige Kultusminister, Landtagspräsident und DVPB-Landesvorsitzende Prof. Rolf Wernstedt einen Blick zurück auf 50 Jahre DVPB Niedersachsen, bevor als abschließender Redner Prof. Dr. Harald Welzer den Festvortrag mit dem Titel „Anleitung zum selbst denken. Politische Bildung für eine offene Gesellschaft“ hielt.

In seinem sehr pointierten Vortrag stellte Welzer u.a. die für die politische Bildung wichtige Frage, wie es der relativ kleinen Gruppe der sogenannten Neuen Rechten möglich sei, einer Mehrheit, die nach den Ergebnissen verschiedener Untersuchungen eher zufrieden und glücklich ist und keine Zweifel an der Demokratie hat, ein verändertes mentales Klima zu imprägnieren und eine neue Kultur der Menschenfeindlichkeit allgemein diskursfähig zu machen.

Mit Bezug auf Sebastian Haffner’s Schilderungen über das Ende der Weimarer Republik und die heraufziehende NS-Zeit hält Welzer die Auffassung für falsch, dass Nazivergleiche mit heutigen Erscheinungen der Rechten illegitim seien. Er bezeichnet diese Form als historisch-politschen Kollateraleffekt, zumal sich der Holocaust aus einer modernen Gesellschaft heraus entwickelt habe. Hier würde man, so Welzer, die Einzigartigkeit des Holocaust auf den Nationalsozialismus übertragen - unvergleichlich sei aber lediglich der Holocaust, nicht der Nationalsozialismus.

An die Praxis der Politischen Bildung richtet er u.a. die Empfehlung, Gedenkstätten als Orte historischer Erinnerung und Reflektion zu nutzen und die „beschwiegene Mehrheit“ zusammenzubringen und zu aktivieren, um toxische Imprägnierungsprozesse abzuwehren und selbstdienenden Vorurteilen zu begegnen.

Die von ihm mitbegründete Initiative „Die offene Gesellschaft“ sei dafür ein Beispiel. In mehr als 1.0000 Aktionen bringe sie Menschen u.a. am „Tag der offenen Gesellschaft“ zusammen, um sich auszustauschen und ein Zeichen für die Demokratie, für Offenheit, Gastfreundschaft, Vielfalt und Freiheit zu setzen. Der nächste Termin für diese bundesweite Aktion ist der 16. Juni 2018.

Die Veranstaltung wurde vom Kultusministerium finanziell gefördert.

Ein ausführlicher Bericht erscheint in der nächsten Ausgabe der Fachzeitschrift des Landesverbandes „Politik unterrichten“.

 

 

Zum Seitenanfang